Bericht der GLP Bezirk Brugg zum Referat des ehemaligen Glarner Ratsschreiber Hansjörg Dürst am 17.6.2025
Hansjörg Dürst referiert über die Erfahrungen nach der radikalen Glarner Gemeindefusion (Bild: Christoph Mühlhäuser, GLP)
Der langjährige Ratsschreiber zieht folgende Erkenntnisse aus dieser Erfahrung:
- Es sei wichtig gewesen, dass die Projektgruppe breit abgestützt und neben Parten auch die Jugend und skeptische Kreise einbezogen habe.
- Die neuen Gemeinden haben eine eigene, neue Identität entwickelt, sind autonom und erfüllen ihre Service Public Aufgaben kompetent.
- Die ehemaligen Dörfer pflegen weiterhin ihr Vereinsleben und ihre Traditionen.
- Der Wermutstropfen ist es, dass die politische Partizipation eher gesunken ist.
- Unterschätzt wurde auch die Raumplanung. Erst zwei der drei Gemeinden verfügen über eine genehmigte Nutzungsplanung.
Die Ausgangslage war nicht vergleichbar mit der Region Brugg: Der Kanton Glarus hatte im Jahr 2004 über 120 Körperschaften, davon 29 politische Gemeinden. Die desolate Finanzlage zwang den Kanton, Massnahmen zu ergreifen. Gestützt auf Vorarbeiten einer Projektgruppe, beschloss der Regierungsrat, die Gemeinden auf 10 Einheitsgemeinden zu reduzieren. Das ging der Landsgemeinde nicht weit genug. An der historischen Abstimmung am 7. Mai 2006 sprach sich das Glarner Volk für drei Einheitsgemeinden aus. Dies war die radikalste Gemeindefusion in der Geschichte der Schweiz.
«Ein Schlüsselfaktor für den Erfolg war es, dass der Kanton die alten Gemeinden entschuldete», erklärte Dürst, der den gesamten Prozess im Rahmen seiner 25 Amtsjahren begleitete. Er hielt fest, dass die Gemeinden vor der Fusion nur noch über eine «Scheinautonomie» verfügten. Die meisten Entscheide waren vom Kanton klar vorgegeben. Viele Aufgaben wurden in Zweckverbänden erledigt, was aus Sicht von Hansjörg Dürst mit einem Demokratiedefizit verbunden war. Bei der Festlegung der Gemeinden hatte die Projektgruppe damals unter anderem die Anzahl von 2500 Einwohnerinnen und Einwohner als Mindestgrösse für eine effizente Schule festgehalten. Wichtig sei es gewesen, dass die Projektgruppe breit abgestützt gewesen sei und auch die Jugend und skeptische Kreise einbezogen habe. Die Erfahrungen in den knapp 20 Jahren Jahren seit der Fusion seien positiv. Die neuen Gemeinden entwickelten eine eigene Identität. Sie haben eine echte Autonomie erhalten und erfüllen ihre Service Public Aufgaben kompetent. Der Wermutstropfen ist, dass die politische Partizipation gesunken ist. Ebenfalls kritisch sieht Hansjörg Dürst den Entscheid, die Volksschule vollständig den Gemeinden zuzuordnen.
Die Zuhörer, die aus der ganzen Region gekommen waren, stellten dem 68-jährigen Glarners viele Fragen. Einig war man sich, dass die Radikalkur des Kantons Glarus im Bezirk Brugg nicht 1:1 kopiert werden kann. Es lohnt sich aber, die Erfahrungen ernsthaft zu studieren und zu überlegen, wie der Bezirk Brugg sich strategisch weiterentwickeln kann und will.